Freitag, 15. Januar 2016

Abgedrehte schamanische Reisen oder: wenn das Krafttier Paganfolk hört...

Aloha,
letztes Jahr auf der Ostara-Veranstaltung der Eldaringleute hab ich ja bei einer schamanischen Reise mein Krafttier gefunden. Nicht das, was ich erwartet hätte, aber wenn man es sich recht überlegt doch sehr passend: ein fluffeliges dickes Kaninchen.
Einige von uns waren damals etwas irritiert, was für merkwürdige Sachen man da sieht oder erlebt, und die liebe Ravena, die die Reise geleitet hat, hat uns erklärt, dass wilde Sachen, die absolut keinen Sinn machen und die man sich unmöglich ausgedacht haben könnte gerade der beste Anhaltspunkt dafür sind, dass man es tatsächlich richtig gemacht hat und die Reise nicht halbbewusst eingebildet war. Denn dann wäre ja etwas passiert, was man erwartet hätte.

Danach war ich noch drei oder vier mal bei dem Kaninchen, die Abgedrehtheit hielt sich noch in Grenzen (abgesehen von einer dreidimensionalen, sich ständig verändernden Weltkarte, Teekränzchen in Vanaheim und gelegentlichen Ausflügen ins Weltall...). Neulich aber hatte ich dann wirklich so einen "Was zur Hel..?"-Moment, den ich gern mit euch teile.

Hintergrund: seit einiger Zeit stehe ich vor einer Aufgabe, die erstmal ziemlich erschlagend wirkt und auf die ich eigentlich auch keine Lust habe. In einer früheren Reise zum Kaninchen stand diese Aufgabe in Form von einem riesigen Steinhaufen, über den man nicht mehr drüber gucken kann, mitten in meinem "Seelengarten". Na toll, jetzt verfolgt mich das sogar hier her. Aber das Kaninchen scheint praktisch veranlagt und meinte nur, ich soll genauer hinsehen - und ja, schön, alle Steine sind nur etwa faustgroß, man kann sie bewegen. Aber jeden einzeln. Für sich. Den ganzen verdammten Berg. Und was ich dann draus bauen soll, weiß ich auch noch nicht so ganz. Die Inspiration kommt dann wohl irgendwann beim Steinesortieren...

Im Dezember kam ich dann wieder. Mag sein dass es Einbildung war, aber der Haufen sah schon etwas kleiner aus, und davor lagen verschiedene Häufchen mit nach Farbe sortierten Steinen. Scheinbar hab ich also schonmal eine Struktur überlegt, die ersten Aufgaben gemeistert und Bausteine zurecht gelegt. Jetzt "nur noch" so weitermachen. Tja, da fing ich dann an zu maulen. Diese Arbeit ist so öde und langweilig, warum soll ich das überhaupt machen? Mir fehlt die Motivation und so weiter. Und dieser blöde Haufen, die ganze Aufgabe wird doch am Ende eh nix ausmachen und ist eigentlich auch gar nicht das, was ich in meinem Leben so vor habe (wenn man es ganz klischeehaft runterbrechen würde möchte ich einfach nur um Bäume tanzen, mein eigenes Essen anbauen, Schafe knuddeln und den Regenwald retten, oder die Wale, oder irgend sowas). Das Kaninchen, geduldig wie immer, meinte nur mal wieder "Schau genauer hin" und zeigte auf den dämlichen Haufen. Etwa auf Brusthöhe lag ein Stein, etwas größer und keilförmig, der nicht zu den anderen passte. "Das ist deine Motivation!" Aha. Dankeschön.

Dann sah ich aber, dass auf dem Stein eine Art rundes Ornament eingraviert war, das ich nicht ganz erkennen konnte. Es sah verschnörkelt aus, aber verschwamm immer wieder wenn man genau hinsehen wollte. Ich habs eine Weile lang versucht und dann wieder mein armes Kaninchen ratlos angeguckt (Krafttiere brauchen manchmal echt Nerven glaub ich...). Es meinte, es sei ganz einfach, denn ich kenne das Symbol schon. Also gut, nochmal draufgeguckt mit dem Gedanken "du musst es nur wiedererkennen", und *PLOPP*:  das Logo der Band OMNIA. Vollkommen bescheuert, was hat das auf einem Stein in meinem Seelengarten verloren? Ist das Kaninchen auch Fan der Band? Oder bilde ich mir das Symbol grade ein? Das Kaninchen fragte mich, was ich damit denn verbinden würde. Naja, ziemlich genau das, was ich in meinem Leben so vor hatte (siehe weiter oben). Und "Earth Warrior", obwohl es nicht mein Lieblingslied von der Band ist. Das Kaninchen stellt beruhigt fest, dass der Groschen endlich gefallen ist: "Genau - und wenn du einer sein willst, ist das deine Waffe!" Und wo ich so wieder auf den Stein blicke fällt mir auf, dass die Keilform grob an einen Dolch erinnert. Und ja, meine Aufgabe hat ~irgendwie~ mit Umweltschutz zu tun. Ist vielleicht einer von Millionen kleinen Schritten in Richtung einer besseren Welt. Nur hielt ich den Impact für so verschwindend gering, dachte es geht sowieso unter. Aber auch wenn ich nicht die ganze Schlacht gewinnen kann mit meinem Dolch, dann ist das trotzdem ein Teil vom Ganzen, den ich, und in dieser Form auch nur ich leisten kann.

Ja, und was mach ich jetzt mit dem OMNIA-Steinkeil-Dolch? Die ganze Zeit in der Hand halten will ich ihn ja nicht, wieder hinlegen ist auch blöd, da ist er im Weg. Als wär der ganze Besuch nicht schon irgendwie total abgedreht zückt das Kaninchen aus dem Nix ein Podest, auf dem man den Stein elegant präsentieren kann. Wir befestigen ihn in der passender Halterung und tanzen dann gemeinsam drum herum...


Tja, letztenendes war es dann doch so einfach... Man sieht anscheinend manchmal, auch bei schamanischen Reisen, den Wald vor lauter Bäumen nicht, weil man vielleicht alles viel zu kompliziert oder opulent-mystisch erwartet. Dabei kann das Krafttier auch einfach ganz profane Alltagssymbole verwenden (würde mich interessieren, ob bei jemandem im Seelengarten schonmal eine McDoof-Filiale aufgemacht hat oder ähnliches...).

Wer selbst mal eine Schamanische Reise ausprobieren will und nicht die Möglichkeit hat, das mit einer erfahrenen Person zu machen, die die Meditation führt, dem kann ich zumindest zwei Bücher empfehlen, die ich mir im Nachgang meiner ersten Reise besorgt habe (nachdem ich eine Stunde den Sessel in unserer spirituellen Buchhandlung blockiert und wirklich jedes dort vorhandene Buch zu dem Thema durchgeblättert hab):
  • Sandra Ingerman: Die schamanische Reise: Ein spiritueller Weg zu sich selbst
    Obwohl es recht dünn ist mit sehr detaillierten Infos, auch für das generelle Drumherum. Hinweise was man versuchen kann, wenn irgendwas nicht klappt. Mit CD und für die erste Reise auf jeden Fall empfehlenswert.

  • Stefan Limmer: Schamanische Seelenreisen
    Ebenfalls mit CD. Enthält viele Übungen, auch für den Alltag. Hinsichtlich Vorbereitung und Drumherum nicht ganz so ausführlich, dafür werden hier noch verschiedene Archetypen beschrieben, die man gemeinsam mit dem Krafttier besuchen kann, was ich vor allem für weitere Reisen hilfreich finde (auch wenn die natürlich bei jedem anders aussehen können - mein Schmied hat z.B. keinen Hammer, sondern ist eine webende alte Frau, das Prinzip ist aber das gleiche). Man bekommt Ideen, was man "drüben" so unternehmen kann bzw. bei welchen Situationen sich eine Reise anbietet. Außerdem erwähnenswert ist die wirklich superschöne Aufmachung des Buches.
Als Hintergrundtrommeln nutze ich übrigens inzwischen nicht mehr die geführten Stücke auf den CDs, sondern welche von James Vermonts toller Homepage Nebeltrommel.at. Für den Einstieg würde ich aber ein Stück mit Erklärung zumindest am Anfang und Ende empfehlen, dazu gibt es auf youtube auch verschiedene.
 
Und: Geduld mitbringen. Es ist zwar recht einfach, klappt aber trotzdem nicht immer sofort. Entspannen und irgendwann einfach nochmal versuchen.

Kommentare:

  1. Geführte schamanaische Reisen sind nur ein Produkt lebhafter Phantasie, und ein nettes Zubrot für kommerzielle Esoteriker, die ihre CDs unter die Leute bringen. Eine schamanische Erfahrung ist ein einsamer Akt und eine KRAFT-Anstrengung. Wenn Sie mal wirklich eine gemacht haben, werden Sie es merken, vor allem danach. Und es wird nicht ein netter Spaziergang zum Krafttier sein - sowieso ein irregeleiteter Begriff. Wenn Sie nach ihrer ERSTEN Reise ausgelaugt und tränenüberströmt in Fötushaltung auf dem Boden "zurückkommen" war es das wahre Ding.

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    1. Den Begriff ansich find ich auch eher irritierend. Ansonsten ist das für mich persönlich einfach eine Reise ins Unterbewusstsein, was ich dort vorfinde sind alles Teile von mir. Mag sein, dass andere anders oder woandershin reisen, für mich funktioniert es so ziemlich gut :)

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  2. Ach wie schön, noch eine Omnia-Hörerin =)
    Ein interessanter Bericht, ich sehe es letztlich ähnlich wie du mit den Reisen ins Unterbewusstsein. Egal was es ist, ob Traum, Wachtraum, schamanische Reise oder Einbildung– das Ergebnis ist ja das Entscheidende: Es bewegt etwas in einem selbst.
    Liebe Grüße,
    Atessa

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