Mittwoch, 30. Mai 2018

2018, das Jahr der Hel... oder was soll das hier noch werden?

Hallo ihr Lieben,

lang ist es mal wieder her. Zunächst steckte ich sehr in der (Doktor)Arbeit, seit dem Winter aber kracht hier ein Ereignis nach dem anderen auf uns ein. Gerade wenn man denkt, wieder Licht zu sehen, kommt der nächste Schlag.

Noch vor vielen kleinen Enttäuschungen wie Sachen, die nicht geklappt haben, Leuten die etwas wichtiges zusagten und dann absprangen und einer nicht wirklich gut laufenden Jobsuche entschieden sich im Winter meine Knieknorpel, ohne erkennbare Ursache einfach mal kaputt zu gehen. Ich kann jetzt Treppen nur noch steifbeinig hoch- und runterlaufen und bin auch sonst etwas bewegungseingeschränkt. Beidseitige Prothesen sind mittelfristig absehbar - aber immerhin, dann kann ich wieder halbwegs normal ne Treppe hoch.

Soweit so unbeglückend, aber damit kommt man noch klar. Dann entschied sich aber Hel, mal wieder in unser Leben zu treten. Gut zwei Jahre haben wir sie ja nicht mehr gesehen, damals hatte sie meine Mama zu sich geholt. Sie klopfte bei mir an, fragte tatsächlich, ob ich mitkommen will. Ich wollte nicht. Aber ich hab in diesem Moment eine sehr innige Erfahrung mit meinen Vitalfunktionen gemacht. Im Nachhinein war das wirklich interessant, auch wenn ich es nicht wiederholen möchte. Ich befand mich am absoluten (Meeres)Grund meines Daseins, reduziert auf Herzschlag und Atmung. Als beides schließlich stabil weiterging, tauchte ich wieder auf.

Das gerade überstanden, kam sie zu Freund, in Form eines Stromschlags mit Hochspannung. Freund wollte auch nicht mitkommen und sie ließ ihn ebenfalls gehen, allerdings brauchte er gut einen Monat, bis sein Körper wieder koordinationsfähig war und die Kopfschmerzen weggingen. Da meine Mama ja an einer Hirnblutung starb und das Risiko für eine solche bei Stromschlägen auch hoch ist, obendrein genau die Symptome Kopfschmerzen und Koordinationsprobleme typisch sind, war ich entsprechend mit den Nerven am Ende. Was sich dann auch in mehreren Kilo Gewichtsverlust äußerte, bis ich morgens feststellte, dass mir der Kreislauf weg klappt. Ist aber soweit wieder draufgefuttert.

Bei allem was da passierte entschieden Freund und ich uns für zwei Dinge: erstens, spontan einen Tag nach Disneyland zu fahren und zweitens, jetzt doch mal zu heiraten. Bei dem ganzen Mist, den wir bislang zusammen durchgestanden haben, können wir uns nicht vorstellen, was diese Beziehung noch gefährden könnte. Planung und alles stand soweit. Hel scheint unsere Entscheidung fürs Leben momentan zu akzeptieren - wir hatten einen Unfall auf der Autobahn, der erstaunlicherweise nur einen überschaubaren Blechschaden verursachte.

Kurz darauf nahm sich ein Freund aus Studienzeiten das Leben. Er tat den Schritt bewusst und vor einen Zug. Knapp zweieinhalb Wochen später, gestern morgen, war Hel schon wieder da, und holte Freunds Vater ab. Vorher ließ sie ihn nochmal seine geliebte Nordsee sehen, dann, beim Frühstück am 3. Urlaubstag, nahm sie ihn genauso unerwartet mit wie damals meine Mama.

Wie auch bei meiner Mama finde ich, dass man für diese Art von Tod dankbar sein kann, dass aber auch Freunds Vater sich nach seinem anstrengenden Leben wirklich noch ein paar schöne Jahre verdient hätte. Auf einem Bauernhof aufgewachsen und hart arbeitend trat er mit Frau und zwei Kleinkindern eine Flucht nach Deutschland an, schuftete in einer Fabrik, um die Familie zu ernähren und beiden Kindern ein Studium zu ermöglichen. Gerade waren beide Kinder beruflich erfolgreich, eins verheiratet und mit eigenem Kind, das andere verlobt, das kleine Häuschen abbezahlt und soweit selbst renoviert, dass er mit seiner Frau seinen Lebensabend dort in Ruhe verbringen kann. In seinem gesamten Leben war er gerade das dritte mal im Urlaub, immer am Meer. Und plötzlich ist einfach Ende.

Mal sehen, was weiter passiert. Morgen müssen Freund und sein Bruder mit dem Auto zur Nordsee fahren, um die Mutter dort abzuholen. Bei der Hochzeit wird dann nicht nur auf meiner Familienseite ein wichtiger Platz leer sein. Glücklicherweise haben wir es bewusst klein gehalten und ohne jegliches Tamtam. Und Freund hat mit mir jemanden an seiner Seite, der genau im gleichen Alter durch genau die gleiche Situation musste. Darum weiß ich, dass wir das auch schaffen. Und frage mich, was zur Hel dieses Jahr noch mit uns vor hat. Ich bin ein sehr optimistischer und dankbarer Mensch, aber so langsam reicht es wirklich.

Hel, lass uns in Ruhe, du hast erstmal genug Leute mitgenommen! Thor, bitte bring ein bisschen Ordnung in unser Leben zurück. Freyja, danke, dass du uns beide zusammen gebracht hast!

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