Freitag, 24. Oktober 2014

Irland: Der Grange Stone Circle

Aloha!

Auf ein paar Teile unserer Irlandreise wollte ich noch etwas näher eingehen. Freund und ich sind ja wild durchs Land gefahren - erst hatte er sich noch beschwert, dass ich ja nur Steine als Ziele herausgesucht habe (stehende Steine, gestapelte Steine, Steine im Kreis, Steine mit Grabhügel drauf, Steine aus denen ein Ringfort oder ein Castle gebaut wurde...). Nach dem Steinkreis und dem zweiten Dolmen wurde er dann plötzlich selbst ein riesen Fan von Steinen...

Die für mich beeindruckendsten "Steine" stelle ich jetzt nach und nach vor, den Anfang macht der Grange Stone Circle nahe dem Lough Gur. Es ist mit 48 m Durchmesser der größte Steinkreis Irlands und (nach Stonehenge) der zweitgrößte Europas.

Stein an Stein... Passt nur halb aufs Bild.
Gebaut wurde er vor etwa 3100 Jahren aus 113 Steinen, die - für mich etwas unerwartet - dicht an dicht stehen. Hinter den Steinen umgibt noch ein mehrere Meter breiter Wall den Steinkreis. Der Eingang zum Kreis liegt im Osten und ist von einigen Steinen flankiert. Zwei große Steine dienen als "Tor". Der nördliche davon ist inzwischen gespalten. Zu Lughnasadh, dem irischen Erntefest Anfang August, scheinen die ersten morgendlichen Strahlen der Sonne genau entlang dieses Pfades in den Kreis hinein.
 
Eingang zum Kreis.
Der gespaltene Stein nördlich des Eingangs.
Bei Ausgrabungen innerhalb des Steinkreises wurden diverse Tonscherben, Bronzegegenstände, und Knochen gefunden sowie ein Pfostenloch direkt im Mittelpunkt, in dem vermutlich eine Markierung des Kreiszentrums steckte.
Freund knuddelt den Rannach Cruim Duibh, links daneben das grain child.
Der größte der Steine, Rannach Cruim Duibh (links auf dem Bild) liegt etwas nördlich des Eingangs und ist angeblich 2,8 m hoch (ein Größenvergleich mit Freund kommt hin). Der Kreis wurde so angelegt, dass die aufgehende Sonne am Tag der Sommersonnenwende so aussieht, als liege sie oben auf diesem Stein. Aufgrund des Namens des Steins und der Verknüpfung mit der Sonne vermutet man, dass der Steinkreis kultische Bedeutung bei der Verehrung des Fruchtbarkeits-/Korngottes Crom Cruach bzw. der daraus entstandenen Sagengestalt Cruim Duibh hatte. Passt ja auch wieder zu Lughnasadh.

Laut einer Fremdenverkehrsperson im nahegelegenen  Visitor Center des Lough Gur kann man die positive Energie spüren, wenn man Hände und Kopf gegen den Stein legt. Bei uns fing es leider ziemlich genau in dem Moment an zu regnen...
Direkt links davon stehen einige kleinere, gestapelte Steine. Die stechen schon etwas heraus im Kreis, der ansonsten nur aus einzelnen Brocken besteht. Man sagt, dies repräsentiere das "grain child", also möglicherweise gestapelte Brote.
Inzwischen sind einige Bäume zwischen den Steinen und um diese herum geschlungen gewachsen. An einigen davon findet man Hinterlassenschaften von Besuchenden.

Das Innere des Kreises wird vom Bauern, dem das Grundstück gehört, offenbar freigehalten, denn da wächst nur Gras. Diverse Kuhfladen legen allerdings den Schluss nahe, dass der Kreis auch ganz profan als Weidefläche genutzt wird. Für den Erhalt der Anlage und der Zäune wurde eine freiwillige Spendenbox aufgestellt.
An einem Baum im Westen des Kreises.
Kleine Gaben, darunter auch ein Brezelanhänger und ein Häkelhaken...
Auf dem Stein neben dem "grain child" haben Menschen Münzen aus aller Welt, Schmuck, kleine Figuren und andere persönliche Dinge abgelegt. Merkwürdigerweise waren auch viele christliche Symboliken darunter... Ich habe auch etwas zurückgelassen, Freund hat an der Spendenbox für uns beide einen Obolus abgegeben. Und man staune: nach den regnerischen ersten Tagen in Irland und dem Platzregen, der losging kurz nachdem wir zum Grange Stone Circle kamen, hatten wir plötzlich verdächtig schönes Bombenwetter - für den Rest des Urlaubs!
Einzig ein Schauer kam noch, aber da saßen wir ohnehin im Auto und bekamen einen wunderschönen Regenbogen. Danke, lieber Crom Cruach!

Dienstag, 21. Oktober 2014

Irland: Generelle Eindrücke

Aloha!
Moin moin,
ich bin aus dem Urlaub zurück... Das Positive daran ist immerhin, dass ich endlich mit Fotos prollen kann andere erfreuen darf, und darum hab ich hier nun ein paar Eindrücke vom schönen Irland für euch:
Typische westirische Landschaft: ein einzelner knorriger Baum, Weide, Heidekraut, Steine.
Wir haben einen Rundtrip gemacht: von Dublin nach Galway, dann die Westküste hinunter, nach Killkenny und, nach einer Unzahl von Dolmen, stehenden Steinen, Steinkreisen, Castle-Überresten und kaputten Abbeys schließlich wieder nach Dublin zurück.
Dublin ansich hat es uns nicht so angetan... Das nächtliche Temple Bar hatte was. Ansonsten sind wir aber wohl einfach eher Naturliebhaber...

Größere Sehenswürdigkeiten sind meist recht teuer (z.B. Cliffs of Moher mit 6 €, Newgrange mit 6 bis 11 €), lohnen aber definitiv. Dabei hat man sich auch viel Mühe für die Gestaltung von z.B. einem Infozentrum gegeben, oder es gibt interessante Führungen dazu. Eine Einzelführung für Freund & mich gab es für 9 € in einer wunderschönen Tropfsteinhöhle bei Mitchelstown. Zu arm waren wir leider für den 15 € Eintritt ins Bunratty Castle... Da hörts dann doch mal auf.

Viele Sachen wie der größte Steinkreis Irlands oder das besterhaltendste Eisenzeit-Ringfort (Staigue Fort) stehen auf Privatbesitz, sind aber zugänglich und es hängt eine Spendenbox für den Erhalt dran, so dass man nach eigenem Ermessen und Vermögen bezahlen kann.
Viele Touris: Cliffs of Moher, 6 €.
Ziemlich leer: der (hier halbe) Grange Stone Circle,
der größte von Irland, mit Spendenbox.
Schließlich gibt es noch Sehenswürdigkeiten, die meiner Meinung nach für den verlangten Preis nicht wirklich sehenswert waren (z.B. so ein wirklich winziger Ringfortrest nahe den Dingle Beehive Häusern, was 3 € kostete und das man sich einfach hätte sparen können, vor allem wenn man noch Staigue Fort am Ring of Kerry sieht). Und es gibt tatsächlich noch komplett kostenlose Sachen wie den Rock of Dunamase (zugegebenermaßen mit nur einer Infotafel, aber dennoch sehr beeindruckend).
Brownshill Dolmen, kostenlos.

Staigue Fort, Spendenbox.
Rock of Dunamase: kostenlos.

Eigentlich immer kostenlos: Wandern.
Dabei trifft man oft nette Schafe.
Außen ein dicker Klopps um den die Krähen
kreisen: Rock of Cashel, 6 €.

Innen ist der Rock of Cashel erstaunlich grazil.
Irische Menschen sind unglaublich nett und schwatzwütig. Von Killkenny hab ich leider gar nichts gesehen, weil wir dort nur eine Übernachtung hatten und den ganzen Abend mit ein paar wildfremden Iren im Pub versackt sind. Unsere Empathiebekundungen bei der übertragenen Dartweltmeisterschaft führten irgendwie zu diversen gemeinschaftlichen Runden Guinness sowie dass man uns engagiert über die wirtschaftliche Situation Irlands, die richtige Aussprache des Prost-Wortes "Slainte" (= Prost, je betrunkner man ist, desto besser wird es), Hurlingtrikotfarben, das Sterben der Pubs und die irische Meinung über Angela Merkel und Marlene Dietrich aufklärte und putzige Handyfotos vom neuen Hundewelpen zeigte. Zudem gab es melancholische Geschichten über gestorbene Pubstammgäste, eine Stepptanzvorfühung und eine ergreifende Acapellaversion von Elvis Presleys "In the Ghetto". Irgendwann ist der Barkeeper ins Bett gegangen, im Vertrauen dass die Gäste irgendwann das Licht ausmachen und die Tür zuziehen. Memo: Guinness zerstört dich von innen und eignet sich wirklich nicht als Hauptgetränk für ausschweifende Trinkabende. Aber das wars irgendwie trotzdem wert, und ein von hinter der Bar abgenommenes und uns vermachtes Bild der Kilkenny-Cat im Kilkenny-Hurlingtrikot zeugt davon, dass wir einen Pubabend mit Iren überlebt haben.

Als ich einer Souvenirshopbesitzerin in Dingle Teile ihrer Regal-Dekoration abkaufte (genau diesen Stein mit Spiralen drauf hab ich gesucht!), belaberte sie uns gleich sehr erfolgreich und mithilfe zahlreicher Bildbände, dass wir doch unbedingt auch den Ring of Dingle an der Küste entlangfahren müssten. Der sei schöner als der von Kerry - ob das stimmt, sei dahingestellt (da der von Kerry uns einen wundervollen Ausblick vom Geokaun Mountain, 5 € pro Auto auf der Valentia Insel, ermöglichte). Aber sehenswert ist er auf jeden Fall, und der Name ist lustiger!
Vom Geokaun Mountain: Das absolute Klischeebild von Irland. Irgendwo am Ende des Regenbogens tanzt
bestimmt ein Leprechaun mit einem Schaf um einen in Shamrocks stehenden Pott Gold und trinkt ein
Guinness dabei.
Upper Lake nahe Glendalough
bei Dublin.
Wir sind auch lange gewandert, um die schöne Natur Irlands zu erleben. Da war es auch sehr praktisch, dass wir viel umher gefahren sind, denn so haben wir eigentlich alle Landschaftstypen gesehen: Klippen, Weide, Heide und Berge. Links seht ihr in Bild, für das ich eine halbe Stunde Holzbohlentreppenstufen gestiegen bin! Dazu waren wir in den Wicklow Mountains bei den alten Klosterruinen von Glendalough. Da das nahe Dublin liegt und wohl auch ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen zu sein scheint, war es recht bevölkert, aber lustig. Vor allem weil man bei diesem Aufstieg an diversen am Rand sitzenden und hechelnden Leuten vorbeikommt und sich teilweise immer wieder über den Weg läuft - hab ich schonmal erwähnt, dass irische Menschen ein wirklich geschwätziges Völkchen sind?
Am letzten Tag haben wir es dann doch noch geschafft, die Touriattraktion Nummer 1 zu besuchen: Das Hügelgrab Newgrange. Ob es wirklich ein Grab war, weiß man nicht so ganz, denn es wurden zwar Knochen gefunden, vieles deutet aber auch darauf hin dass es ein Kultort gewesen ist. Die Führung war auf jeden Fall ein Highlight. Über Newgrange hab ich hier mehr gebloggt! Der Felsbrocken mit den Spiralen vor dem Eingang ist übrigens auch der Stein, dessen oben genannte Replik ich der Dame in Dingle abgekauft habe. Im Info Zentrum hätte das Souvenir aber 20 € statt 7,50 € gekostet...
Wir wären gern nochmal auf die Blasket Islands vor dem Ring of Kerry geschippert, allerdings fuhr tagelang niemand auf See, wohl wegen dem Wetter. Mit dem wir unterm Strich aber unglaubliches Glück hatten!
Eingang von Newgrange.
Scariff und Deenish Island vor der Westküste im County Kerry.
 
Empfehlenswert ist auf jeden Fall ein kleiner Mietwagen!  Der hat uns am Flughafen für eine Woche rund 100 Euro gekostet und auch kaum Benzin geschluckt. Mit dem Bus kommt man an viele tolle Sehenswürdigkeiten nicht wirklich ran und ein Taxi kostet für wenige km schon fast ein Drittel des Mietwagens für die ganze Woche... An den Linksverkehr gewöhnt man sich recht schnell, nur beim Abbiegen sollte man sich überlegen, ob man nun auf die vordere oder hintere Spur muss.

Freitag, 5. September 2014

Polnisches "Mittelalterfestival" - die habens drauf!

Aloha!

Während wir letzte Woche in Schlesien waren, haben wir am Samstag in Racibórz an der Oder Freunds Tante besucht und während des Spaziergangs durch die Stadt ein Plakat für ein "Raciborski Festiwal Średniowieczny" gesehen, das verdächtig nach Mittelaltermarkt aussah. Kurzes Nachschlagen im Wörterbuch bestätigte den Verdacht, und Freunds Tante ließ sich leicht überreden, da mal hinzufahren, zumal der Eintritt frei war.
Schon 100 Meter entfernt sahen wir eine imposante Rauchwolke. Der offenbar eklatante Mangel an Brandschutzverordnungen ermöglicht in Polen zumindest extrem authentische Mittelaltermärkte! In diesem Fall war es genauer gesagt eigentlich ein Wikingerlager... Hier haben sich die ganzen polnischen Asatru also versteckt!

In einem riesigen Lager haben sich grob geschätzt rund 200 ziemlich authentisch aussehende Personen herumgetrieben - sogar mit etwas romantisierten Frisuren (was immerhin bei den Männern oft aussieht wie eine Art Irokesenschnitt mit abrasierten Seiten). Vor fast jedem Zelt war eine Grube für ein Feuerchen ausgehoben, einige Lagernde waren ganz fleißig und haben sich einen Graben und Wall gebuddelt.
Eins von diversen kleinen Feuerchen.
Schildwall vorm Fresszelt.
Zumindest zwei Grüppchen sah ich, bei denen alle gleiche Schilde gebaut hatten. Vorrangig war das ganze eher ein Lager mit Schreigesang-Darbietungen der Gruppe Sudarynja, etwas verwirrend für das nicht-slawische Ohr...Man klicke hier für ein Video auf youtube.

Aber es gab auch einige Verkaufsstände, die fast alle auch wirklich selbst hergestellte Waren anboten - besonders niedlich fand ich das Spielzeugboot (eher links im Bild)! 

Verschiedene angebotene Waren...
Kettenhemdbikini!
Die Verkaufsstände waren wirklich eine überraschende Abwechslung von dem Einheitsbrei, den man auf deutschen Märkten hauptsächlich findet, und für Handarbeit auch extrem preiswert. An den meisten Ständen konnte man bei der Herstellung direkt zusehen. Und sogar den ominösen Kettenhemdbikini gab es!
Wir hielten uns nur zurück, weil wir befürchteten, dass Freunds besonders herzliche Tante jede Gelegenheit am Schopf ergreifen würde, uns alles mögliche zu spendieren... Sie fand das ganze wohl ziemlich amüsant, wenn auch ein bisschen ungewohnt und verstörend, aber ist offen genug, um sich sowas gern mal anzuschauen (was auch der Grund dafür ist, dass wir von der ausufernden Freundschen Verwandschaft während unserer Polen-Reise nur sie besucht haben...).
Am Rand des Lagers gab es dann noch eine Bühne und ein paar unauthentische Stände für Bier und Brot. Und einen Schrein für Odin... Grad vor kurzem hab ich mich noch gefragt, wie die polnischen Asatru es eigentlich schaffen, in dem stockkonservativen und leider religiös ziemlich intoleranten Polen öffentlich zu praktizieren... und so machen sie es. Knallen den ahnungslosen Mittelaltermarkt-Touris ihren Schrein, ihren Gesang, ihre Feuerchen, ihre Schilde, ihr Blót-Essen und alles einfach vor die Nase - denn erkennen tun es nur Eingeweihte. Für alle anderen - wie Freunds Tante - ist das ganze einfach eine kuriose altertümliche Kostümveranstaltung.

Tatsächlich auch noch da: ein Schrein mit Trankopfer für Odin!

Alles in allem: Die habens drauf!

Mittwoch, 3. September 2014

Warnung: Ihr Ziel liegt auf einer unbefestigten Straße

Aloha!
Heute wird es nostalgisch, back to the roots und ein bisschen creepy! Vor kurzem bin ich mit Freund in quasi das hinterste Kaff in Oberschlesien gefahren, in dem seine Familie noch ein zerfallendes Bauernhaus stehen hat, das aber wohl demnächst verkauft werden soll. Letzte Gelegenheit also, um es zu sehen, Fotos zu machen und ein bisschen zu plündern...

Haupthaus mit Plumpa und rechts der ehemalige Pferdestall, im Dachboden ein Taubenstall.
Das Haupthaus wurde 1933 gebaut und später noch durch ein paar Ställe erweitert (weiter links am Haus, aber nicht auf dem Bild, ist noch ein Schweine- & Kuhstall, eine Scheune und eine Laube mit Schmeide drunter). Die Ecke vorne links auf dem Bild wurde mal zerstört, als im zweiten Weltkrieg eine Bombe in den Hof fiel.
Auf dem Hof lebten zuletzt Freunds Großeltern, Tante, Eltern und irgendwann auch noch er und sein Bruder zusammen, bis seine Eltern sich zur Flucht nach Deutschland entschieden, als er etwa 2 war. Da das Haus bis 2007 noch von der Oma & der sie pflegenden Tante bewohnt wurde, gab es dank der typisch polnischen Renovierungswut irgendwann auch Strom, Wasser, Heizung und Telefon. Inzwischen sind Wasser, Heizung und Telefon abgestellt und die Öfen kann man nicht mehr verwenden, weil die Ofenrohre bei der Modernisierung entfernt wurden. Aber wir hatten Strom! Aus der Plumpa (Pumpe) vor dem Haus war leider auch kein Wasser mehr gewinnbar...
Ein Problem des Hauses ist die Kszypopa (sprich: Kschipoppa), ein kleiner Dreckbach direkt dahinter. Man hat das Haus damals mit Absicht direkt dran gebaut, damit man jeglichen Siff quasi direkt aus dem Küchenfenster in die Kszypopa kippen kann - und dabei eben nicht beachtet, dass sie das Erdreich durchfeuchtet, so dass das Haus zum einen absackt und Risse kriegt und zum anderen einfach jede Wand nass wird und anfängt zu schimmeln...
 
Wegen dem Schimmel in den Schlafräumen, wegen den uralten Strohmatratzen und weil wir nicht unbedingt in einem Strohbett schlafen wollten wo Freunds Oma starb oder er gezeugt wurde entschlossen wir uns, unser Basislager in der Izba, also in der Stube aufzuschlagen, und rollten unsere Schlafsäcke auf dem ausklappbaren Sofa aus.
Dreckbach (schlesisch: Kszypopa) direkt hinterm Haus.
Die Uhren im Haus sind alle irgendwann zu unterschiedlichen Zeiten stehen geblieben.
Wir kamen nachts an, und da war das Haus ziemlich creepy - vollkommen verlassen, und obwohl Freunds Eltern zwischenzeitlich öfters mal da waren, stehen einige Dinge offenbar noch genau so, wie beim Tod der Oma zurückgelassen, z.B. der seit diesem Tag nicht mehr abgerissene Wandkalender. Hinzu kommen etliche Kruzifixe und Bilder von Heiligen oder Bibelszenen. In gewissem Maße ist das für polnische Haushalte ja normal, aber hier war das ziemlich dominierend und in dem alten, verlassenen Haus auch echt gruselig...
Weil Freund mir zumindest das Haupthaus gleich zeigen wollte, ging es noch nachts auf den Dachboden - auf dem wir das Licht nicht anmachen konnten, da sonst sofort die Sicherung rausfliegt. Die folgenden Fotos hab ich am nächsten Tag mit Licht gemacht, aber man kann sich vielleicht vorstellen, wie das gewirkt hat, wenn man da im Dunkeln mit Handytaschenlampe unterwegs ist und sich nicht auskennt. Besonders creepy fand ich die beiden nachträglich reingebauten Räume - das eine war ein Schlafzimmer, in dem anderen fanden wir eine Sammlung von Kruzifixen und Fleischwölfen...
Hinter dieser Tür ein Schlafzimmer...
...hinter dieser creepy Zeug.
Da Sitz & Holzboden vom Plumpsklo außerhalb des Hauses keinen wirklich vertrauenserweckenden Eindruck mehr machten und wir außerdem keine Lust hatten, nachts durch zig kalte Räume nach draußen zu schlurfen, zweckentfremdeten wir einen alten emaillierten Eimer und stellten ihn in der an unser Basislager angrenzenden alten Küche auf. Nachttöpfe gab es nicht - Freund meinte, seit Generationen würde dafür schon einfach ein Eimer benutzt. Na dann. Solche alten Eimer werden übrigens auf Berliner Trödelmärkten zu völlig überzogenen Preisen angeboten.

Am nächsten Tag und bei Licht haben wir zunächst den Eimerinhalt hinters nächste Gebüsch geschüttet, uns im Hof gegenseitig im Kanister mitgebrachtes kaltes Wasser über den Kopf gekippt und dann den Rest des Bauernhofs erkundet. Nachfolgend ein paar Bilder...
Laube für die Schmiede mit Amboss und Esse.
Beides fanden wir später in einem Abstellraum.
Hier die Scheune, die sogar noch angenehm
nach Stroh und Heu roch.
Suchbild: Im Dachboden über dem Pferdestall
liegt ein Ei.
Im Keller stehen noch 13 Jahre alte Vorräte
in Weckgläsern.
Hier eine Hundehütte und ein Kessel, in dem
früher Teer geschmolzen und transportiert wurde.
Absolut vertrauenerweckende Ski-Bindung.
Es fanden sich noch einige sehr praktische Dinge, die man heute so nur noch schwer oder teuer bekommt... Freund fand eine Schiebelehre und ich ein rustikal aussehendes Holzkistchen, in dem ich jetzt meinen Seifenvorrat aufbewahre. Da ich ja kein großer Fan von Kunststoff bin, hab ich mich sehr über emaillierte Schüsseln und einen Eimer *räusper* gefreut. Auch zwei Spritzen aus Glas hab ich gefunden, so dass ich fürs Dosieren meines Orchideendüngers etc. jetzt keine Plastikeinmalspritzen mehr brauche. Für meine Mama und mich hab ich zwei alte Milchkannen aufgetrieben, da sie nach sowas schon ewig sucht und ich sie als Vase für Sonnenblumen gut gebrauchen kann. Nur den niedlichen Trichter auf dem Bild habe ich zurückgelassen, der war unten fast zugerostet. Man beachte auch die von Hand bemalte Tapete!
Küchenutensilien & schöne Tapete.
In Freunds Familie war ja nach Ankündigung unserer geplanten Reise erstmal helle Aufregung, das könne man mir doch nicht zumuten mit dem Plumpsklo usw. usf. (über die gruseligen Kruzifixe hat sich natürlich niemand Gedanken gemacht...). Dass ich gerne campe und wir früher im Garten auch ein Plumpsklo hatten, hat nicht viel beruhigt. Dass wir trotzdem gefahren sind und ich aus dem Hof nicht rückwärts wieder raus bin, hat mir einige Pluspunkte bei Freunds Eltern eingebracht. Es war wirklich lustig - vor allem die Aktion, als vom Nachbarn ein Huhn über die Mauer gehüpft kam und wir versuchten, es mit Schreien, Klatschen und Knüppelschwingen wieder zurück zu scheuchen...
 
(Hat übrigens nicht geklappt - es rannte unerreichbar hinter einen Holzhaufen und stellte sich derart erfolgreich tot, dass wir zunächst befürchteten, es habe einen Herzkasper wegen uns bekommen - irgendwann hat es dann aber wohl der sehr gechillte Nachbar wieder abgeholt, denn am nächsten Tag war es weg).

Abgesehen vom Hof haben wir uns noch Krakau und Breslau angesehen. Krakau gilt zwar als die schönste Stadt Polens, mir war da zu viel Trärä um die Altstadt, das wirkte ein bissel verkrampft. Ich mochte Breslau (polnisch übrigens Wrocław, ausgesprochen wie "Wrotzwaff") irgendwie lieber. Aber vielleicht hab ich auch nur Vorurteile, weil meine Uroma ja aus Breslau kam. Sie hat die Stadt vor knapp 100 Jahren verlassen, und der nächste Mensch aus unserer Familie, der danach wieder in diese Stadt kam, war ich am letzten Freitag. Schon ein komisches Gefühl - zudem ich einige alte Personen gesehen habe, die meiner Uroma sehr ähnlich sahen. Da scheint sich doch ein gewisser Menschenschlag erhalten zu haben.
Meine Mama hat mir noch einen unglaublich hilfreichen Tipp mitgegeben: Uroma wohnte nahe einer Kirche. Na, das schränkt ja den Suchradius immens ein in Polen...

Montag, 25. August 2014

Das Thorsberger Moor in Süderbrarup

Aloha,

als ich neulich für den Blogeintrag zur Bonifatiusroute so in meinen alten Fotos herumkramte, fand ich auch welche wieder, die ich vor ziemlich genau 11 Jahren mal vom Thorsberger Moor bei Süderbrarup gemacht habe. Dieses Moor war eine sehr bedeutende germanische Kultstätte und existierte dafür erstaunlich unauffällig in der Landschaft herum (Nachtrag 2018: ein paar mehr Schilder wurden aufgestellt). Ich bin damals durch das "Kultplatzbuch" von Gisela Graichen drauf gekommen, und da wir ohnehin jedes Jahr in einem benachbarten Dorf Urlaub machten, lag es ja nahe, dass ich meine Eltern damals einfach mal so lange nervte, bis sie sich breitschlagen ließen . Analog übrigens beim Haithabu-Museum, darüber muss ich auch mal bloggen...

Das Thorsberger Moor, das heute eher ein See mit Insel ist.

Zur Geschichte des Moors:
In Thorsberg wurden schon um 150 v.u.Z. viele Gefäße aus Ton und Holz mit Nahrung, Fellen etc. darin geopfert, indem man sie ins Moor warf. Nun musste die opfernde Person bequemerweise nicht am Ufer im Schlamm stehen und den Pott so weit wie möglich werfen, sondern nutzte wohl einen damals existierenden Holzsteg, an dessen Ende noch ein kleiner Flechtschirm stand, der offenbar als Sichtschutz diente (mir drängt sich da grade die Vorstellung auf, dass dieser Steg mit Schirm vielleicht gar nichts mit dem Opfer zu tun hatte, sondern als Festival-Dixi bei den Opferfesten diente, aber die Archäolog*innen werden für ihre Theorie schon irgendwelche Anhaltspunkte haben...).

Nach ungefähr 350 Jahren wurden die Gefäße weniger, dafür wurden zunehmend Schmuckstücke und metallische Gebrauchsgegenstände wie Gewandnadeln geopfert. Ab dem Jahr 200 wurden außerdem viele Goldringe ins Moor geworfen. Sie alle wurden vorher zerschlagen. Dies war bei germanischen Opferungen weit verbreitet, wohl, damit symbolisiert und/oder sichergestellt wird, dass tatsächlich niemand mehr diese Gegenstände verwenden wird. Waffen und militärische Ausrüstung wurden im Thorsberger Moor eher selten geopfert: für das 2., 3. und 4. Jahrhundert wurde jeweils eine einzelne, dafür aber sehr große Opferung entdeckt. Dabei handelt es sich vermutlich um den Besitz besiegter Heere, den man - als Dank für den Sieg - den eigenen Gottheiten übergab. Wie auch bei den anderen Opfergaben wurden die Gegenstände vorher unbrauchbar gemacht, d.h. die Schwerter verbogen, die Schilde zerschlagen usw. Interessanterweise konserviert das Moor Materialien wie Holz und Leder sowie metallische Beschläge, während sich Klingen und andere Teile aus Eisen zersetzten.

Später nahm die Menge der metallischen Opfergegenstände wieder ab, dafür finden sich neue Gegenstände wie Kleidung, Tierknochen und Werkzeuge. Die letzten Funde werden um etwa das Jahr 400 datiert.

Das Thorsmoor heute:
Eigentlich ist das Moor relativ klein, man kann auf einem Rundweg von etwas mehr als 600 m bequem drum herum laufen. Vom früheren Opferkult sieht man nichts mehr, außer ein aar Infotafeln - aber es ist eine sehr schöne und ruhige Gegend, merklich ein paar Grad kühler als sonst. Gruselgeschichten sind hier fehl am Platz - die diversen Moorleichen, die im Schleswiger Museum liegen, wurden nicht hier geopfert, sondern stammen aus anderen Mooren in Schleswig Holstein und Dänemark.

Und gratis dazu: Grabhügel Kummerhy
Direkt in der Nähe vom Moor steht auch noch der Grabhügel Kummerhy. Er entstand, als um 650 - 500 v.u.Z. eine Steinkiste mit verbrannten Überresten einer verstorbenen Person beigesetzt wurde. Ein kleiner Steinkreis wurde darum gebaut und der Hügel darauf aufgeschüttet. Ein sogenannter Wächterstein mit Schälchen (kleinen Eintiefungen) gehörte dazu. Wozu diese Schälchen dienten ist ungewiss, einige Theorien sagen, dass darin Opferungen dargebracht wurden, nach anderen könnten sie Sternbilder darstellen oder einfach Verzierungen sein.
Im 9. oder 10. Jahrhundert wurde dann einfach eine weitere Person unverbrannt dazubestattet, ein größerer Steinkreis drum herum gebaut und ebenfalls aufgeschüttet, so dass der Hügel größer wurde.

Der Kreis wurde wieder freigelegt und mit einem Infoschild versehen, aber sieht auf dem Bild mystischer aus als in natura... Ich musste schon sehr herumhüpfen, um einen Blickwinkel für das Foto zu finden, bei dem keine Parkbank, Fahnenstange oder Hauswand zu sehen ist, denn der Hügel steht direkt neben einer Landstraße auf einem 20 m breiten Streifen zwischen Bahngleisen und einer Wohnsiedlung.

Bronzezeitlicher Steinkreis vom Grabhügel Kummerhy.

Quelle (neben den Infoschildern vor Ort) und Literaturtipp: Rudolf Simek - Götter und Kulte der Germanen

Donnerstag, 21. August 2014

Das angekaute Brot bzw. Fettnäpfchen in katholischen Autos

Aloha,

manch heidnische Person hat ja Kummer, weil unwissende Gäste die Essensgabe an den Hausgeist für ein Schälchen Knabberzeugs zum wegknuspern halten, ein speziell ausgelegtes Muster aus Kieseln auf der Terrasse achtlos zur Seite gekehrt wird usw. Inzwischen haben aber auch Personen mit einer Mainstream-Religion wie dem Katholizismus infolge schrumpfender Mitgliederzahlen ähnliche Probleme:
 
Vor einigen Jahren, als Freund & ich bei seinen Eltern zu Besuch waren, hatten wir mal deren Auto geliehen, um einen Ausflug zu machen. Auf irgendeinem Parkplatz kramte ich dann im Fach in der Beifahrertür nach der Wanderkarte, dabei fiel mir ein altes, in Taschentuch eingewickeltes Stück Brot auf. Da ich ja ein recht ordentlicher Mensch bin, nuschel ich nebenbei "Ach, hier liegt n Stück altes Brot, das schmeiß ich grad mal weg..." Es folgt ein panischer Aufschrei von Freund mit der hastigen Erklärung, dass das kein Brot sei, sondern eine Hostie oder irgendwas in der Art, jedenfalls von einem Priester geweiht und in den Augen seiner Eltern offenbar für die Sicherheit aller im Auto befindlichen Lebewesen wichtiger als Gurt und Airbag zusammen.

Memo an heidnische Mitfahrende in katholischen Autos:
Niemals herumliegende Essensreste ungefragt wegwerfen. Am besten direkt ingorieren.

Freund fährt übrigens in seinem Auto inzwischen auch ein Stück Brot durch die Gegend. Nicht für seine Sicherheit, sondern für die seiner Mutter, die andernfalls wohl einen Nervenzusammenbruch bekommen würde.

Dienstag, 19. August 2014

Die angeblich so schöne Bonifatiusroute...

Hallo ihr lieben!

(Kurze Vorbemerkung: leider wurden die gehosteten Bilder inzwischen gelöscht und ich hab wohl bis auf eins auch alle entrümpelt... Es tut mir leid. Da der Bericht aber eigentlich ganz lustig ist, lasse ich ihn drin.)


Ab und zu wandere ich gern alleine und weit. Hier ein kleiner Rückblick auf das erste Stück der Bonifatiuspilgerroute von Mainz bis Kriftel, das ich im Juni 2013 gelaufen bin... Um es vorweg zu nehmen: den Rest lauf ich nimmer.

Der Bischof Bonifatius, nach dem die Route benannt wurde, hat im 8. Jahrhundert in Fritzlar einen Baum gefällt (bzw. ließ ihn fällen) und gilt deswegen als der Apostel Deutschlands. Nunja, es war die Thor/Donar geweihte Donareiche, und mit der Fällung wurde Fritzlar der Ausgangspunkt der Christianisierung des heutigen Nord- und Mitteldeutschlands. Fritzlar ist aber dennoch eine sehr niedliche Stadt. Als sein Gott den Bonifatius dann jedenfalls irgendwann zu sich holte, marschierte man mit seinem Leichnam etwas über 170 km von Mainz nach Fulda. Die Bonifatiusroute wurde 2004 angelegt und beschreibt (grob) diesen Leichenzug.

Nachdem der kurze St. Jost Pilgerweg ja eine sehr schöne Erfahrung war (heidenchaos berichtete), hielt ich Pilgerrouten für eine gute Idee, längere und gut ausgeschilderte Routen zu finden. Nach wem die nun benannt wurden, ist mir relativ wurst, daher fiel meine persönliche Diskrepanz mit Herrn Bonifatius bezüglich Vandalismus an der Fritzlar'schen Vegetation bei der Entscheidung nicht so ins Gewicht. Die Route wird als "eine der schönsten Pilgerrouten Deutschlands" angepriesen und der Rhein-Main-Verkehrsbund gab dazu eine kostenlose und sehr ausführliche Karte heraus. Also Rucksack geschnappt und nix wie los! 

Um 9:20 komme ich am Mainzer Dom an, um den herum gerade ein Volksfest aufgebaut wird. Ich glaube, eine Statue des baumfällenden Heiligen hinter einem Waffelstand zu erspähen, habe aber keine Lust über Verkabelungen und Anhängerkupplungen zu klettern, sondern laufe einfach mal in die Richtung los, die meine Karte angibt. Eine halbe Stunde und 2 km später habe ich schon den Rhein überquert und blicke auf Mainz zurück. Endlich wird es etwas ruhiger, zwischen ein paar morgendlichen Angelnden entdecke ich auch endlich das erste Wegzeichen.
Nochmal 2 km später komme ich an die Stelle, wo der Main in den Rhein fließt. Das realisiere ich allerdings nicht so ganz, da ich eine total schöne kleine grüne Feder am Ufer finde und die erstmal meine gesamte Aufmerksamkeit beansprucht... Ein paar Hundert Meter weiter werde ich durch richtig üblen Gestank wieder zurück in die Realität gerissen. Da hat man die Pilgerroute tatsächlich direkt an einer Papierfabrik vorbeigeführt, die fast einen Kilometer lang wirklich ganz, ganz übelerregend ekelhaft stinkt. Ums noch schöner zu machen, ist "eine der schönsten Pilgerrouten Deutschlands" rechts und links mit Betonmauern zugebaut.

Nach 7 km und um 11:15 komme ich in Hochheim an, hier beginnen Weinberge und die Stadt sieht auch sehr hübsch aus.



 
Leider hält sich die Ausschilderung des Weges in Grenzen, so dass ich versehentlich nen Kilometer zu weit latsche. Aber wenigstens ist der Geruch endlich weg und die Wanderung durch die Weinberge wird nun doch recht schön, nach ein paar km aber doch etwas eintönig. Bei Streckenkilometer 12 bemerke ich außerdem schon, dass mir die Knie wehtun - kein Wunder, da man hier hauptsächlich auf Asphalt pilgert, was auf Dauer echt unangenehm ist!

Um 13:30 nach ungefähr 14,5 km entdecke ich bei Wicker hinter einer Kriegergedächtniskapelle ein kleines Steinlabyrinth. Eine kleine Kiste bietet laminierte Sprüche an, über die man meditieren kann, während man das Labyrinth abläuft. Motiviert vom Spruch "Wer für Umwege keine Zeit hat, irrt leicht am Ziel vorbei, ohne es zu erkennen." beschließe ich also, einen Abstecher durch das Labyrinth zu machen und denke über etwas nach, was mich den Tag über besonders beschäftigt hat. 15 Minuten und eine Minierleuchtung später mach ich mich wieder auf den Weg.

Das nächste Duft-Highlight auf der Strecke ist eine schwefelige Heilwasserquelle im treffend bezeichneten Örtchen Faulborn - das Wasser sieht klar aus, stinkt aber bestialisch und schmeckt nach Rührei  (man muss hierzu wissen, dass das Jynkx irgendwie Geruch und Geschmack von gebratenen Eiern gar nicht ab kann davon und tatsächich Übelkeit bekommt). Tragischerweise erfrische ich meine Füße kurz darin und trage den Geruch noch eine Stunde später (!!) mit mir herum. Dafür fängt es an zu regnen und der Weg endet bei Kilometer 20,5 vor der Einfahrt einer... ja ich weiß gar nicht, einer riesigen Grube, in der lautstark offenbar Kies abgebaut wird oder so. Definitiv heute nicht mein Pilgertag...

Nach einigem Herumirren finde ich schließlich einen Weg um diese Grube herum und sogar ein kleiner Aussichtsturm über ein Naturschutzgebiet, in dem ich mich kurz unterstellen kann und doch noch ein bissel schöne Natur sehen kann. Danach folgen rund 6 km relativ trostloser Strecke über Asphaltwege, bis ich endlich nach 27 km insgesamt und um 17 Uhr in Kriftel am Bahnhof ankomme. Eigentlich wollte ich noch ein Stück weiter nach Eschborn, aber dank dem harten Untergrund machen meine Knie echt nicht mehr mit und ich entscheide, nach Hause zu fahren.

Mein Gesamteindruck:
Insgesamt war die Bonifatiusroute auf der ersten Etappe bis auf wenige Ausnahmen landschaftlich entweder relativ langweilig oder eine Zumutung. Der Asphalt führte dazu, dass ich trotz guter Sandalen schnell ermüdete Knie hatte (ok, die sind nicht die besten, aber ich hab Vergleiche zu deutlich längeren Strecken).

Ich weiß nicht, was die ~140 km von Kriftel nach Fulda noch rausreißen sollen, um die Bezeichnung "eine der schönsten..." für die Bonifationsroute zu verdienen, aber ich werd es sicherlich nicht ausprobieren - da gibt es im Taunus, Odenwald oder am Rhein echt schönere Ecken.