Donnerstag, 15. September 2016

Wandern im wilden Schweden: Wälder, Moore, Küsten, Wind!

Hej,
heute wirds schwedisch . Da wir ja ohnehin auf Seeland unterwegs waren, lag ja ein Abstecher nach Schweden nahe. Was wir nicht wussten war, dass die Brücke so schweineteuer war (54 Euro pro Richtung! Zum Glück hatten wir Mitfahrer...). Aber es hat sich dennoch gelohnt, denn Schweden hat eine wirklich wunderschöne Natur und kann unterm Strich extrem günstig sein, wenn man es richtig anstellt.
Typische schwedische Landschaft im Südwesten.
Es herrscht in Schweden das Jedermannsrecht, d.h. bis auf in ausgewiesenen Naturschutzgebieten und auf Privateigentum ist das Zelten überall erlaubt, ebenso wie das Sammeln von Pflanzen, Brennholz, Beeren, Pilzen usw. (nur Bäume fällen darf man nicht, das stand extra dabei, Freund war etwas geknickt). Hinzu kommt, dass es verschiedene Fernwanderwege in Schweden gibt, beispielsweise den Skåneleden. Entlang dieser Wege sind in regelmäßigen Abständen von rund 17 km Lagerplätze eingerichtet, an denen meist eine Schutzhütte, Feuerplatz mit Holzvorrat und manchmal eine Toilette kostenlos zur Verfügung stehen. Entlang der Route gibt es auch immer mal wieder ausgeschilderte Trinkwasserquellen. Wer also entlang dieser Wege wandert oder einfach mit dem Auto zu den Lagerplätzen fährt, kann dort kostenlos und relativ bequem übernachten.
Ein Lagerplatz auf dem Skåneleden, hinter mir stand noch ein Verschlag mit Brennholz, links noch eine Toilette.
Wir waren mit dem Auto unterwegs, da ich ja auf dem Rückweg noch einen dienstlichen Termin in Odense in Dänemark hatte. Da brauchte ich dann leider doch so Krams wie hübsche aber vergleichsweise unfunktionale Schuhe, Blazer der im Rucksack zerknittern würde usw... Wer uns jetzt für verweichlicht hält, dem sei aber gesagt: wir sind die Etappe zwar nur mit Tagesgepäck und nicht mit vollständiger Ausrüstung gelaufen, dafür aber doppelt, sprich 17 km zum nächsten Lagerplatz und dann wieder zurück, wo eben das Auto stand, was insgesamt immerhin eine Tagesstrecke von 34 km war. Geht trotz teilweise schwerem Terrain recht gemütlich in 9 Stunden, wenn man an derartigen Gewaltmärschen Freude hat.
Was ich am Campen in der Natur so besonders mag ist der Abend, den man wirklich irgendwo in der Pampa verbringen kann ohne sich Gedanken zu machen wie man in der Dunkelheit noch den Berg runter/zurück zum Auto/nach Hause kommt, die Sterne und vor allem, dass man am nächsten Tag nach dem Aufwachen nur das Zelt öffnen muss und schon draußen ist An einem Abend hatten wir sogar einen richtig schönen Regenbogen als Entschädigung für die ständigen Wolkenbrüche.
Abend am Lagerplatz.
Aus dem Zelt gemachtes Foto. Campen ist toll.
Wanderweg? Gradeaus weiter!
Bifröst, die Regenbogenbrücke nach Asgard, ist in Schweden anscheinend mehrspurig ausgebaut... Nicht ganz so toll ausgebaut sind die Wanderwege, auch auf dem Skåneleden. Zwar zeigen bunte Punkte auf Steinen und an Bäumen den Weg, aber in Deutschland würde man denken, man habe sich verirrt und stapfe grad über einen Trampelpfad, wenn überhaupt. Sieht natürlich teilweise sehr schön aus, auf einer Etappe bestand der Weg aber aus 10 cm breiten, sehr glitschigen, überwucherten, schiefen Holzplanken über einem Moor.
Freund war ziemlich sauer, diese rutschige Schwebebalken-Aktion versaute ihm die Durchschnittsgeschwindigkeit gewaltig. Für nichtmal 2 km Glibberbrettstrecke waren wir eine unerhörte Stunde unterwegs! Mir war die Zeit Wurst, ich hab mir lieber angeschaut, wo wir lang kamen, und hab Freunds Geschwindigkeit weiter verringert indem ich gar stehengeblieben bin und Beeren gepflückt hab.
Was so am Wegesrand wächst...
Zum Beerenpflücken ereignete sich noch eine lustige Geschichte. Überall wuchsen diese kleinen roten Beeren, die oben im mittigen Bild abgebildet sind. Ich war mir aber nicht ganz sicher, ob sie essbar sind, und beschränkte mich drum auf die Brom- und Blaubeeren. Schließlich trafen wir aber drei alte Schweden, die riiiesige Körbe davon geerntet hatten. Einer von ihnen sprach Englisch, drückte uns eine Hand voll in die Hände und erzählte mir, dass die Beere im Schwedischen Lingon heißt. Ich erkannte sie dann wieder (ja klar, das sind doch Preiselbeeren!), wusste aber auch das englische Wort nicht... Da fiel mir ein, dass es dazu ja eine Limonade bei IKEA gibt, und dann wusste der alte Schwede, dass ich jetzt weiß welche Beere das ist. Einige Zeit später, als wir auf einer Waldstraße weiterwanderten, fuhren die drei alten Schweden dann nochmal an uns vorbei, hupten und winken wild .

Schweden sind wirklich ein entspanntes und freundliches Völkchen. Als wir einige Tage vorher an einer Küste langwanderten, drückte mir ein entgegenkommender Schwede plötzlich einen glitzernden Stein in die Hand mit den Worten "It's a lucky stone, keep it well!"

An einer anderen Küste, auf der Landzunge des Kullaberg Nationalparks entstand dann übrigens das nachfolgende Bild. Boah war das ein Sturm! Nebeneinanderstehend musste man schreien, um sich zu verständigen. Aber dafür gibts wenigstens mal eine ordentliche Brandung und schöne Wellen!
Strand am Kullaberg, und Antwort auf die leidige Frage ob ich denn auch mal im Wasser war...
Bei der salzigen Luft, dem Geräusch der Brandung und diesen tollen Wellen hab ich mich so richtig wohl gefühlt. Vor allem, weil man hier in den Klippen ein bisschen herumklettern konnte und es auch mehrere Grotten gab. Freund war kein Fan von Freeclimbing und blieb die meiste Zeit oben auf dem Pfad... In eine der Grotten, die Silbergrotte (Silvergrottan), kam er dann aber doch mit. Sie entstand künstlich, nachdem König Frederik II aus Dänemark 1561 etwas silbernes in den Steinen schimmern sah und daraufhin 15 m Tunnel in die Steilküste hat kloppen lassen. Silber fand man dann doch nicht - das Glitzern waren andere Mineralien. Aber vielleicht wartete ja am Ende des Ganges wenigstens ein Plüsch-ZONK auf die armen Arbeiter  (Kennt eigentlich noch jemand den ZONK?)
Aus der Silbergrotte.
Was gab es ansonsten noch zu sehen in Schweden? Ganz zusammenhanglos...
                                                                                                                                                                
...ein zutraulicher Bock, der uns auf einer Wanderung begegnete...
...ein Dolmen (schwedisch: Dösen) in Skegrie...
..Thorshämmer und Thor...
...und eine nachgebaute Trelleborg in Trelleborg!

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