Montag, 25. August 2014

Das Thorsberger Moor in Süderbrarup

Aloha,

als ich neulich für den Blogeintrag zur Bonifatiusroute so in meinen alten Fotos herumkramte, fand ich auch welche wieder, die ich vor ziemlich genau 11 Jahren mal vom Thorsberger Moor bei Süderbrarup gemacht habe. Dieses Moor war eine sehr bedeutende Kultstätte der Germanen und existierte dafür erstaunlich unauffällig in der Landschaft herum (damals zumindest... vielleicht wird es heute etwas stärker beworben/ausführlicher beschildert). Ich bin damals durch das "Kultplatzbuch" von Gisela Graichen drauf gekommen, und da wir ohnehin jedes Jahr im Nachbardorf Urlaub machen, lag es ja nahe, dass ich meine Eltern damals einfach mal so lange nervte, bis sie sich breitschlagen ließen .

Das Thorsberger Moor.

Zur Geschichte des Moors:
In Thorsberg wurden schon um 150 v.u.Z. viele Gefäße aus Ton und Holz mit Nahrung, Fellen etc. darin geopfert, indem man sie ins Moor warf. Nun musste der opfernde Germane bequemerweise nicht am Ufer im Schlamm stehen und seinen Pott werfen so weit er konnte, sondern nutzte wohl einen damals existierenden Holzsteg, an dessen Ende noch ein kleiner Flechtschirm stand, der offenbar als Sichtschutz diente (mir drängt sich da grade die Vorstellung auf, dass dieser Steg mit Schirm vielleicht gar nichts mit dem Opfer zu tun hatte, sondern als Festival-Dixi bei den Opferfesten diente, aber die Archäologen werden für ihre Theorie schon irgendwelche Anhaltspunkte haben...).

Bis nach ungefähr 350 Jahren wurden die Gefäße weniger, dafür wurden zunehmend Schmuckstücke und metallische Gebrauchsgegenstände wie Gewandnadeln geopfert. Ab dem Jahr 200 wurden außerdem viele Goldringe ins Moor geworfen. Sie alle wurden vorher zerschlagen. Dies war bei germanischen Opferungen weit verbreitet, wohl, damit symbolisiert und/oder sichergestellt wird, dass tatsächlich niemand mehr diese Gegenstände verwenden wird. Waffen wurden im Thorsberger Moor eher selten geopfert: für das 2., 3. und 4. Jahrhundert wurde jeweils eine einzelne, dafür sehr große Opferung von Waffen entdeckt. Dabei handelt es sich vermutlich um den Besitz besiegter Heere, den man - als Dank für den Sieg - den eigenen Göttern übergab. Wie auch bei den anderen Opfergaben mussten die Gegenstände vorher unbrauchbar gemacht werden, also wurden die Schwerter verbogen, die Schilde zerschlagen usw.

Später nahm die Menge der metallischen Opfergegenstände wieder ab, es fanden sich dann auch andere Gegenstände wie Kleidung, Tierknochen oder Werkzeuge (ich vermute, dass sowas möglicherweise auch schon früher geopfert wurde, aber inzwischen vollständig vom Moor verdaut wurde). Die letzten Funde werden um etwa das Jahr 400 datiert.

Eigentlich sehr hübsch hier...
Das Thorsmoor heute:
Eigentlich ist das Moor relativ klein, man kann auf einem Rundweg von etwas mehr als 600 bequem drum herum laufen. Vom früheren Opferkult sieht man nichts mehr - aber es ist eine sehr schöne und ruhige Gegend, merklich ein paar Grad kühler als sonst. Gruselgeschichten sind allerdings nicht angebracht - die diversen Moorleichen, die im Schleswiger Museum liegen, wurden nicht hier geopfert, sondern stammen aus anderen Mooren in Schleswig Holstein und Dänemark.

Und gratis dazu: Grabhügel Kummerhy
Direkt in der Nähe vom Moor steht auch noch der Grabhügel Kummerhy. Er entstand, als bereits um 650 - 500 v.u.Z. eine Steinkiste mit verbrannten Überresten eines Toten beigesetzt wurde. Ein kleiner Steinkreis wurde darum gebaut und der Hügel darauf aufgeschüttet. Ein sogenannter Wächterstein mit Schälchen (kleinen Eintiefungen) gehörte dazu. Wozu diese Schälchen dienten ist ungewiss, einige Theorien sagen, dass darin Opferungen dargebracht wurden, nach anderen könnten sie Sternbilder darstellen oder einfach Verzierungen sein.
Im 9. oder 10. Jahrhundert wurde dann einfach ein weiterer Toter unverbrannt dazubestattet, ein größerer Steinkreis drum herum gebaut und ebenfalls aufgeschüttet, so dass der Hügel größer wurde.

Der Kreis wurde wieder freigelegt und mit einem Infoschild versehen, aber  sieht auf dem Bild mystischer aus als in natura... Ich musste schon sehr herumhüpfen, um einen Blickwinkel für das Foto zu finden, bei dem keine Parkbank, Fahnenstange oder Hauswand zu sehen ist, denn der Hügel steht wirklich neben einer Landstraße auf einem 20 m breiten Streifen zwischen Bahnschienen und einer Wohnsiedlung.

Bronzezeitlicher Steinkreis vom Grabhügel Kummerhy.

Quelle und Literaturtipp: Rudolf Simek - Götter und Kulte der Germanen

Donnerstag, 21. August 2014

Das angekaute Brot bzw. Fettnäpfchen in katholischen Autos

Aloha,

manch ein Heide hat ja Kummer, weil unwissende Gäste die Essensgabe an den Hausgeist für ein Schälchen Knabberzeugs zum wegknuspern halten, ein speziell ausgelegtes Muster aus Kieseln auf der Terrasse achtlos zur Seite gekehrt wird usw. Inzwischen haben aber auch Anhänger von Mainstream-Religionen wie dem Katholizismus infolge schrumpfender Mitgliedszahlen ähnliche Probleme:
 
Vor einigen Jahren, als Freund & ich bei seinen Eltern zu Besuch waren, hatten wir mal deren Auto geliehen, um einen Ausflug zu machen. Auf irgendeinem Parkplatz kramte ich dann im Fach in der Beifahrertür nach der Wanderkarte, dabei fiel mir ein altes, in Taschentuch eingewickeltes Stück Brot auf. Da ich ja ein recht ordentlicher Mensch bin, nuschel ich nebenbei "Ach, hier liegt n Stück altes Brot, das schmeiß ich grad mal weg..." Es folgt ein panischer Aufschrei von Freund mit der hastigen Erklärung, dass das kein Brot sei, sondern eine Hostie oder irgendwas in der Art, jedenfalls von einem Priester geweiht und in den Augen seiner Eltern offenbar für die Sicherheit des Autofahrers und der Mitfahrer wichtiger als der Airbag.

Memo an heidnische Mitfahrer in katholischen Autos:
Niemals herumliegende Essensreste ungefragt wegwerfen. Am besten direkt ingorieren.

Freund fährt übrigens in seinem Auto inzwischen auch ein Stück Brot durch die Gegend. Nicht für seine Sicherheit, sondern für die seiner Mutter, die andernfalls wohl einen Nervenzusammenbruch bekommen würde.

Dienstag, 19. August 2014

Die angeblich so schöne Bonifatiusroute...

Hallo ihr lieben!

Wenn ich viel Arbeit habe und das Spirituelle etwas zu kurz kommt, habe ich oft den Drang, mal wieder alleine und weit zu wandern... Eigentlich würde sich dazu ein weiterer Teil der Bonifatiuspilgerroute anbieten. Die Route habe ich letzten Sommer angefangen, nachdem der kurze St. Jost Pilgerweg ja eine sehr schöne Erfahrung war (heidenchaos berichtete ). Da ich ihn auch im alten Blog noch nicht gepostet habe, hier ein kleiner Rückblick auf das erste Stück der Route von Mainz bis Kriftel, das ich im Juni letzten Jahres gelaufen bin... Um es vorweg zu nehmen: den Rest lauf ich nimmer.

Der Bischof Bonifatius, nach dem die Route benannt wurde, hat im 8. Jahrhundert in Fritzlar einen Baum gefällt (bzw. ließ ihn fällen) und gilt deswegen als der Apostel Deutschlands. Nunja, es war die Thor geweihte Donareiche, und mit der Fällung wurde Fritzlar der Ausgangspunkt der Christianisierung des heutigen Nord- und Mitteldeutschlands. Fritzlar ist aber dennoch eine sehr niedliche Stadt, wie ich neulich feststellen durfte. Als sein Gott den Bonifatius dann jedenfalls irgendwann zu sich holte, marschierte man mit seinem Leichnam etwas über 170 km von Mainz nach Fulda. Die Bonifatiusroute wurde 2004 angelegt und beschreibt (grob) diesen Leichenzug.

Normalerweise laufe ich Pilgerrouten gern, weil sie lang, gut ausgeschildert und meist auch in schöner Umgebung gelegen sind. Nach wem die nun benannt wurden, ist mir relativ wurst, daher fiel meine persönliche Diskrepanz mit Herrn Bonifatius bezüglich Vandalismus an der Fritzlar'schen Vegetation bei der Entscheidung nicht so ins Gewicht. Die Bonifatiusroute wurde als "Eine der schönsten Pilger-Routen Deutschlands!" angepriesen und der Rhein-Main-Verkehrsbund gibt sogar eine kostenlose und sehr ausführliche Karte dazu heraus. Also Rucksack geschnappt und nix wie los!

Um 9:20 komme ich am Mainzer Dom an, um den gerade ein Volksfest herum gebaut wurde. Ich glaube, eine Statue des baumfällenden Heiligen hinter einem Waffelstand zu erspähen, habe aber keine Lust über Verkabelungen und Anhängerkupplungen zu klettern, sondern laufe einfach mal in die Richtung los, die meine Karte angibt. Eine halbe Stunde und 2 km später habe ich schon den Rhein überquert und blicke auf Mainz zurück. Endlich wird es etwas ruhiger, zwischen ein paar morgendlichen Anglern entdecke ich auch endlich das erste Wegzeichen.
...hier gehts lang!
Nochmal 2 km später komme ich an die Stelle, wo der Main in den Rhein fließt. Das realisiere ich allerdings nicht so ganz, da ich eine total schöne kleine grüne Feder am Ufer finde und die erstmal meine gesamte Aufmerksamkeit beansprucht... Ein paar Hundert Meter weiter werde ich durch richtig üblen Gestank wieder zurück in die Realität gerissen. Da hat man die Pilgerroute tatsächlich direkt an einer Papierfabrik vorbeigeführt, die fast einen Kilometer lang wirklich ganz, ganz übelerregend ekelhaft stinkt. Ums noch schöner zu machen, ist der Weg rechts und links mit Betonmauern zugebaut. Soviel zu "einer der schönsten Pilger-Routen Deutschlands"...

Hochheim am Main
Nach 7 km und um 11:15 komme ich in Hochheim an, hier beginnen Weinberge und die Stadt sieht auch sehr hübsch aus. Leider hält sich die Ausschilderung des Weges in Grenzen, so dass ich versehentlich nen Kilometer zu weit latsche. Aber wenigstens ist der Geruch endlich weg und die Wanderung durch die Weinberge wird nun doch recht schön, nach ein paar km aber doch etwas eintönig. Bei Streckenkilometer 12 bemerke ich außerdem schon, dass mir die Knie wehtun - kein Wunder, da man hier hauptsächlich auf Asphalt pilgert, was auf Dauer echt unangenehm ist!
Um halb zwei nach ungefähr 14,5 km entdecke ich bei Wicker hinter der Kriegergedächtniskapelle ein kleines Steinlabyrinth. Eine kleine Kiste bietet laminierte Sprüche an, über die man meditieren kann, während man das Labyrinth abläuft. Motiviert vom Spruch "Wer für Umwege keine Zeit hat, irrt leicht am Ziel vorbei, ohne es zu erkennen." beschließe ich also, einen Abstecher durch das Labyrinth zu machen und dachte über das nach, was mich an dem Tag besonders beschäftigte. 15 Minuten und eine Minierleuchtung später mach ich mich wieder auf den Weg.
Steinlabyrinth bei Wicker
Das nächste Duft-Highlight auf der Strecke ist eine schwefelige Heilwasserquelle im treffend bezeichneten Örtchen Faulborn - das Wasser sieht klar aus, stinkt aber bestialisch und schmeckt nach Rührei (man muss hierzu wissen, dass die gute Feri irgendwie Geruch und Geschmack von gebratenen Eiern gar nicht ab kann und ihr davon einfach schlecht wird). Tragischerweise erfrische ich meine Füße kurz darin und trage den Geruch noch eine Stunde später (!!) mit mir herum. Dafür fängt es an zu regnen und der Weg endet bei Kilometer 20,5 vor der Einfahrt einer... ja ich weiß gar nicht, einer riesigen Grube, in der lautstark offenbar Kies abgebaut wird oder so. Definitiv heute nicht mein Pilgertag...
Doch noch ein bissel hübsche Natur
Nach einigem Herumirren finde ich schließlich einen Weg um diese Grube herum und sogar einen kleinen Aussichtsturm über ein Naturschutzgebiet, in dem ich mich kurz unterstellen kann und doch noch ein bissel schöne Natur sehen kann. Danach folgten dann noch rund 6 km relativ trostloser Strecke über Asphaltwege, bis ich endlich nach 27 km insgesamt und um 17 Uhr in Kriftel am Bahnhof ankomme. Eigentlich wollte ich noch ein Stück weiter nach Eschborn, aber dank dem harten Untergrund machen meine Knie echt nicht mehr mit und ich entscheide, nach Hause zu fahren.
Mein Gesamteindruck:
Insgesamt war die Bonifatiusroute auf der ersten Etappe bis auf wenige Ausnahmen landschaftlich entweder relativ langweilig oder eine Zumutung. Der Asphalt führt dazu, dass man auch mit guten Schuhen schnell ermüdet (ok, meine Knie sind nicht die besten - aber ich bin an anderen Tagen problemlos mehr als 30 km gewandert und dabei Berge hoch und runter, und da taten mir die Knie nicht so weh wie nach diesem Pilgerweg!).

Ich weiß nicht, was die ~140 km von Kriftel nach Fulda noch rausreißen sollen, um die Bezeichnung "eine der schönsten..." für die Bonifationsroute zu verdienen, aber ich werd es sicherlich nicht ausprobieren - da lauf ich lieber auf dem Nibelungensteig, wander im Taunus herum oder mache vielleicht im Herbst nochmal die St. Jost Runde...