Freitag, 21. August 2015

Island - die schönste Insel der Welt!

Hallo ihr Lieben,

vor einigen Wochen hat sich ein großer Wunsch von mir erfüllt: Freund und ich haben eine Rundreise um Island gemacht! Wohlbemerkt war es seine Idee - ich hatte es, so ähnlich wie Kambodscha, bislang zwar definitiv auf meiner Bucketlist, aber eher für "irgendwann später" - denn es ist schon ein verdammt teures Land. Wir haben es trotz Hochsaison noch zu halbwegs erträglichen Preisen geschafft (Tipps dazu werd ich in einem späteren Beitrag nochmal geben).

Heute gibt es erstmal ein paar Fotos und Erinnerungen zum Thingvellir (ausgesprochen etwa "Thinkvetlir"), einem der ersten Orte, die wir auf unserer Rundreise angeschaut haben, und der uns gleich verzaubert hat! Das Tal ist sowohl landschaftlich als auch geschichtlich interessant...

Thingvellir - und gleich am ersten Tag hab ich mich in dieses Land verliebt!
Wenn man eine Weile in Island herumfährt, werden einem Ortsnamen nach und nach immer vertrauter, da es immer wieder die gleichen Silben sind, die zusammengesetzt werden. "Völlur" bzw. die Mehrzahl "Vellir" bedeutet Feld oder Ebene, und "Thing" wurden die Volksversammlungen der Germanen genannt, bei denen neue Gesetze diskutiert und erlassen sowie Gericht gehalten wurde.
Das Gelände insgesamt hat im Nordwesten eine ca. 40 m hohe Felswand, einige kleine Schluchten und zum Südosten hin flachere Ebenen. Von oberhalb der Felswand fließt ein Fluss, die Öxará, der sich verästelt und schließlich im See Thingvallavatn ("Vatn" = Wasser) mündet.
 
Thingvellir reißt auseinander...
Island ansich liegt ja auf zwei Kontinentalplatten - der nordamerikanischen und der eurasischen. Das heißt, dass es auf einer Produktionszone liegt, wo neues Material aus dem Erdinneren hervorkommt (daher das viele Vulkangestein). Nun sieht das nicht ganz so dramatisch aus, wie ich es mir mit einer eindeutigen Kluft naiverweise irgendwie vorgestellt habe, sondern eher wie Schwangerschaftsstreifen: hier und da einzelne Risse, die alle in die gleiche Richtung verlaufen und jedes Jahr so ein, zwei cm breiter werden (an dieser Stelle hört die Ähnlichkeit zur Bindegewebsschwäche dann glücklicherweise auf ). Jedenfalls gibt es in Thingvellir ziemlich viele dieser Risse, unter anderem auch die Silfraspalte direkt am Ufer zum See. Es lohnt sich, nach Unterwasserbildern der Silfraspalte zu googeln!
Hier reißt die Erde auf.
Die Sifraspalte - wer viel Geld hat, kann hier Schnorcheln. Wer nicht, muss googeln.
Am anderen Ende der Sifraspalte - wäre ich ein Wasserschrat, würde ich in genau dieser Höhle leben wollen!
Thingvellir als Versammlungs- und Gerichtsstätte
Ab ca. 930 bis 1798 fand in Thingvellir das isländische Thing statt. Die Ebenen und Schluchten boten zum einen genügend Platz, Schutz und Gras für alle Anreisenden und deren Vieh, und zum anderen wohl durch die Felswand im Hintergrund eine gute Akustik, um von einem kleinen Hügel, dem Lögberg (Gesetzesfelsen) aus die neu beschlossenen Gesetze auf die Menschenmenge hinunterbrüllen zu können.
 
Der Lögberg (heute steht dort ein Holzpodest und die Flagge) und dahinter die Felswand.
Historische Wegmarkierung - bitte nix drauflegen!
Der gemeine wikingerzeitliche Isländer, der sich zum Thing aufmachte, fand seinen Weg vermutlich durch Markierungen in Form von Steintürmchen, die in regelmäßigen Abständen entlang von Reiserouten aufgeschüttet waren und sogar heute noch immer wieder aufzufinden sind (es ist übrigens streng verboten, sie zu verändern!). Ein möglicher Weg ins Tal führt zunächst eine schmale Schlucht hinunter, an deren Ende auch der Fluss Öxará als Öxaráfoss ("Foss" = Wasserfall) über die Felswand fällt. Das Wasser ist extrem klar, da durch Vulkangestein gefiltert.
Laut der Sturlunga-Saga wurde die Öxará sogar umgeleitet, um in Thingvellir für die Versorgung der Angereisten genutzt werden zu können - archäologische und geologische Untersuchungen bestätigen, dass sie irgendwann mal einen anderen Verlauf hatte!

Öxaráfoss - nur der erste von vielen Fossen, die wir gesehen haben. Im Flussbett liegt schwarzes Vulkangestein.
Äxte und Tümpel
In einem Reiseführer habe ich gelesen, dass die Öxará ihren Namen (Axtbach) daher hat, dass man zu Beginn des Things traditionell den Thingfrieden ausrief, indem eine Axt in diesen Bach gelegt wurde.
Andere Quellen hingegen leiten den Namen von der etwas weniger friedlichen Praxis ab, dass Verbrecher mit der Axt geköpft und dann in den Fluss geworfen wurden. Frauen hingegen hat man in einem kleinen Kolk der Öxará etwa 500 m nach dem Öxaráfoss, in der Nähe des Lögbergs ertränkt. Der Kolk trägt den passenden Namen Drekkingarhylur (Ertränkungsbecken), kurz dahinter stürzt die Öxará in einem kleineren Foss auf die Ebene. Irgendwo gibt oder gab es auch noch nach Galgen, Scheiterhaufen und einem Auspeitschpfahl benannte Orte, die allerdings nicht ausgeschildert waren...
Wenigstens stirbt man in schöner Landschaft!
Thingvellir heute
1798 wurde das Althing von den Dänen verboten, unter deren Herrschaft Island zu dieser Zeit schon seit einigen Jahrhunderten stand. 1944 wurde dann in Thingvellir die Republik Island ausgerufen. Auch die 50-Jahr-Feier fand hier statt, und die isländische Ásatrúarfélagið hält etwas abseits der Hauptattraktionen des Thingvellir im Juni ihr Thingblót - dieses Jahr lustigerweise genau an dem Tag, an dem wir auch da waren. Leider haben wir das zu spät mitbeommen und konnten nicht lang genug bleiben, aber wir haben sie dann noch aus der Ferne gesehen, wie sie mit ihrer Fahne und ein paar gigantischen Barbequegrills anrückten und offenbar Pavillons aufbauen wollten.


...so, soweit zu meinem ersten Reisebericht. Es tut mir leid, dass hier so lange nix los war, aber wir waren in den letzten drei Monaten voll eingeplant - Island, unser Feld (das übrigens reichlich wuchert!), dann waren wir nochmal auf der Loreley, für mich kamen diverse Dienstreisen dazu... Aber immerhin hab ich jetzt einen ganzen Haufen Zeug, über das ich die nächsten Wochen bloggen kann...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen