Montag, 24. August 2015

Island: stürmische schwarze Strände

Aloha,

für die weiteren Islandberichte werd ich mich grob an unserem Reiseverlauf entlanghangeln, später aber ein paar Sachen zusammenfassen, z.B. die diversen Schwefelfelder... Die Rundreise ist in Island relativ einfach, da die Straße Nr. 1 einfach einmal komplett um die Insel geht. Nebenstraßen die von ihr abgehen sind im Uhrzeigersinn durchnummeriert, und die meisten Sehenswürdigkeiten sind auch ausgeschildert. Das einzige was manchmal Kummer bereitet sind die Schotterpisten. An unserem zweiten Tag hatten wir gleich so ein Paradebeispiel von Schotterpiste, puptrocken, staubig, bröselig und dann auch noch mit Steigungen von 18%! Für unseren kleinen Mietwagen war das schon ein Akt, aber es hat sich gelohnt!

Auf unserem Weg zur Vatsnes-Landzunge sind wir zunächst an Borgarvirki vorbeigekommen. In einem auf natürliche Weise entstandenen Hufeisen aus Basalt stehen hier Überreste von Steinmauern, die anscheinend im 10. oder 11. Jahrhundert als Verteidigungsanlage aufgebaut wurden (dazu existieren mehrere Sagen). Was vermutlich vollkommen unnötig war, denn bei der Windstärke, die außerhalb (oder gar auf) den Felsen herrschte, wäre wohl eh kaum ein Gegner kampffähig. Bis dahin hab ich in meinem Leben noch in keinem derartig extremen Sturm gestanden (der aber einige Tage später noch getoppt werden sollte). Aber immerhin war die Aussicht wirklich schön, auch wenn man sich nur schreiend unterhalten konnte...

Über die 716 und 717 erreichbares Borgarvirki.
 
Hier sieht es grad ein wenig karg aus - Island kann aber auch grün, waldig, sandig, verschneit, schwarz, absolute Mondlandschaft, türkise Seen, grau-weiß-grün-blau-schwefelig, rötlich...
Eigentlich wollten wir aber weiter zum Basaltfelsen Hvítserkur am Strand. Hier war es immer noch ziemlich windig, aber nicht mehr ganz so extrem. Dafür wimmelte es von Vögeln. Laut Reiseführer sind die an dieser Stelle manchmal recht angriffslustig, uns ließen sie weitgehend in Ruhe und hockten stattdessen auf ihren Nestern in den Klippen. Was mich aber von der drohenden Gefahr aus der Luft völlig ablenkte, war der tiefschwarze Lavasand!
Letztes Jahr hab ich in Irland am Strand ja schwarze abgeschliffene Basaltsteine gefunden und die zuhause auf Lokis Schrein gelegt. Der Sand passt da perfekt zu, also hab ich wild in meiner Fototasche gekramt und eine Taschentuchpackung dafür missbraucht, eine Hand voll Sand abzupacken, die zuhause in ein Glas mit Korken umgefüllt wurde. Für Freyja fand ich kurze Zeit später noch ein schönes großes, weißes Schneckengehäuse unter einem riesigen Stein (das zuhause allerdings noch so grenzenlos viel schwarzen Sand herausbröseln ließ, dass die Taschentuchpackung fast unnötig war ).
Schwarzer Sand!
Aber nun zum Hvítserkur! Den sah man nämlich schon von oberhalb der Klippe aus. Um zu verstehen, wie dieser einzelne, etwa 15 m hohe Felsen dort hin kam, kann man wieder einmal eine Sage zu Rate ziehen....

Der Hvítserkur, sieht schon ein bisschen merkwürdig aus wie er da so allein herumsteht.
 
Hvítserkur war nämlich einst ein stolzer Troll. In der Nähe bei Þingeyrar wurde im 12. Jahrhundert das erste Kloster Islands erbaut. Irgendwie behagte das unserem Troll nicht, er entwickelte sich zu einem mittelalterlichen Wutbürger und begann, Steine auf das Kloster zu werfen. Leider vergaß er dabei wohl die Zeit, denn plötzlich ging die Sonne auf - und wie jeder weiß, versteinern Trolle im Sonnenschein augenblicklich (womit ein Troll im Isländischen Sommer übrigens ziemlich aufgeschmissen ist, denn da geht die Sonne halt einfach nicht unter...).
 
Hier erkennt man mit etwas Phantasie den Troll - bei meiner Version reichen rechts und links seine dicken Arme ins Wasser und sein Kopf mit Helm und Bart ist genau in der Mitte oben, leicht nach links geneigt.
Gegenüber auf einem Stück Landzunge sahen wir übrigens merkwürdige, große, schimmernde Dinger am Wasser. Es sah aus wie PKWs, aber wer zur Hel stellt die denn direkt an den verlassenen Strand? Der Missbrauch meiner Kamera als Fernglas lieferte schließlich die Erklärung: das waren Seehunde! Die müssen riesig gewesen sein!


Poofende Seehunde. Das Wasser sieht durch den schwarzen Sand darunter übrigens tatsächlich so tiefblau aus.
 

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